Es gehört zu den Übeln bürgerlichen Lebens, dass man nicht jeden Tag der Sprengung eines Wohnhauses beiwohnen, in einer MiG-29 fliegen oder ein Spielcasino ausrauben kann. Leichter als sonst stellt sich an den übrigen Tagen ein Gefühl der Langeweile ein. Im Gegensatz zur Muße, die dem Menschen willkommen ist, wird Langeweile als erzwungen und unlustvoll empfunden. Langweilologen, und hier besonders Martin Heidegger, unterteilen die Betriebskompostierung des Gehirns in drei Phasen: (1.) von etwas gelangweilt werden, (2.) sich bei etwas langweilen sowie (3.) die gänzlich anonyme Langeweile, die bezuglos ist und keinen erkennbaren Grund hat.
Wir lebten nicht im 21. Jahrhundert, würden Freaks nicht die langweiligsten Kinofilme identifizieren (Gerry, Safe, Even Cowgirls Get The Blues), die langweiligsten Beschäftigungen (als Postsortierer, Aktuarswissenschaftler oder Kundengrüßer bei Wal-Mart) und die langweiligsten Städte der USA (darunter Chula Vista, CA, Hialeah, FL und Mesa, AZ). Was für ein Fest muss es sein, vom Wal-Mart in Chula Vista heimzukommen und Gerry zu gucken, in dem beide Jungs Gerry heißen und durch die Einöde fahren! Vor Eintreten des Hirntods kann man noch im Web surfen. Zu empfehlen ist www.worldsmostboringwebsite.com, Hier gibt es “the world’s most boring reading room” mit Krieg und Frieden in 17 Abschnitten zum Download, eine Bildergalerie mit wachsendem Gras und Klamotten: “I visited the world’s most boring website and all I got was this boring t-shirt”.
Freundlicherweise fand der Cambridge-Wissenschaftler William Tunstall-Pedoe auch den langweiligsten Tag in der Geschichte heraus – es war der 11. April 1954. Tunstall-Pedoe wertete mehr als 300 Millionen Daten von Personen, Orte, Unternehmen und Ereignissen aus, die es in die Nachrichten geschafft hatten. An jenem April-Tag in den 50-ern wurde in Belgien gewählt, der Forscher Abdullah Atalar geboren und der Fußballer Jack Shufflebotham betrauert.
Sonst ereignete sich nur wenig. Eigentlich nichts. Der 11. April 1954 war ein Sonntag.
Als der Eyjafjallajökull Europas Flughäfen 2010 mit seiner Aschewolke lahmlegte, entschied sich John Cleese für eine Taxifahrt von Oslo nach Brüssel. Damals lachte die Welt einmal nicht über seine Scherze, sondern über die Quittung: £ 3.300 – nach damaligem Kurs € 3.762. Als Münchner kommt man laut taxi-rechner.de bereits für ein Drittel der Summe (€ 1.207) „Mit einem Taxi nach Paris”. Das war ja 1984 der Renner. Man fragt sich, welcher Vulkan wohl damals ausgebrochen war. Und findet die Antwort auf Hawaii: 1984 eruptierte der Mauna Loa, einer der aktivsten Vulkane der Erde. Ob dieser Schildvulkan allerdings für die Entstehung des Popsongs verantwortlich zeichnet, ist nicht bestätigt.
Felix de Luxe berichtet in seinem Hit, wie er nach der Taxifahrt in die Seine springt und den Eisenturm von Gustave Eiffel klaut. „Der Eiserne Gustav” ist allerdings kein Spitzname des Pariser Wahrzeichens, sondern eines anderen Taxifahrers: Gustav Hartmann fuhr am 2. April 1928 nach Paris, um gegen die Arbeitsbedingungen von Droschkenfahrern zu demonstrieren. Für alle Kollegen, die am Steuer die Biege gemacht hatten, gründete er nach seiner Rückkehr eine Stiftung. An die Fahrgäste denkt mal wieder keiner: an Pierre Curie zum Beispiel, der sowohl das Radium entdeckt hatte als auch das Polonium und Marie Curie, aber nicht die Droschke, die ihn später überfuhr. Wenigstens werden in den USA nicht nur radioaktive Stoffe zur Warnung gelb markiert, sondern auch die Taxis: Die “Yellow Cab Company” gründete Daniel Hertz in Gelb, nachdem die University of Chicago dies als die am leichtesten zu erkennende Farbe identifiziert hatte.
Grasmusdabeisein (Quelle: OTFW, Berlin)
Kleiner Trost für alle, die John Cleese für komplett bescheuert halten: Der Rekordhalter für die längste vulkanbedingte Taxifahrt ist laut Oslo-Taxi-Sprecher Lars Dolva ein anderer; diese Fahrt ging mit einem Taxi nach Paris.
Eine australische Studie bestätigt schlimmste Befürchtungen: Die junge Generation hat keine Ahnung, was sie in sich reinstopft. Von 1000 Grundschülern glauben demnach 27 Prozent, Joghurt werde aus Pflanzen gewonnen. Genauso übrigens das Rührei, das jeder Fünfte in der Flora verortet. Dafür kommen Nudeln von Tieren, bestätigen wiederum 20 Prozent.
Da schütteln alle Australier mit Erziehungsverantwortung den Kopf und raufen an ihren Haaren herum; die Aufklärung rund um den kindlichen Verdauungstrakt hat versagt. Besserung ist auch nicht durch den Tag der gesunden Ernährung zu erwarten, den der Verband für Ernährung und Diätetik e.V. jährlich am 7. März begeht. Dabei ist der Einfluss des Gedenktags kaum zu überschätzen. So servierte John Harvey Kellogg am 7. März 1897 erstmals seine berühmten Maisflocken. Abnehmer waren die Insassen seines Sanatoriums – die einzigen Menschen, die er für krank genug hielt, eine Speise zu verzehren, die weniger Nährstoffe enthält als die Kartons, in denen sie verkauft werden. In Australien aber hält man Cornflakes vermutlich für die perfekte Verbindung aus Maisratten und dem Saft der Milchstaude. Wobei die Australier zur Milch noch mal eine ganz eigene These haben, beziehungsweise eine weitere Studie: Wer durch die Einnahme von zu viel Antibiotika eine Resistenz entwickelt hat, findet in Wallaby-Milch prima Ersatz. Wie die Deutsche Molkerei Zeitung berichtet, enthält nämlich die Erstmilch der Känguru-Art einen Wirkstoff, der 100 Mal wirksamer ist als Penicillin.
Aber wer an dem Punkt erst einmal angekommen ist, verzehrt die nahrhaften Cornflakes-Schachteln eh ohne Milch.
Umsonst ist nur der Tod, und selbst der kostet das Leben. Feiertage zum Beispiel: Einmal mehr Ausschlafen, Brötchen holen und Zeitunglesen kostet den Staat 3,5 Milliarden. Als Regierung sind Sie daher gut beraten, erinnerungswürdige Ereignisse, Nationalfeiertage und Revolutionen auf den 29. Februar zu legen, dann müssen Sie ihn auch nur alle vier Jahre feiern. Oder warum sonst nickte die tschechoslowakische Nationalversammlung ihre Verfassung am 29. Februar 1920 ab? Warum besiegte General Graham die sudanesischen Mahdisten unter Osman Digna am 29. Februar 1884?
Glücklich dran ist natürlich, wer an diesem Tag Geburtstag hat, was nur einmal in vier Jahren der Fall ist: Wenn er seinen 18. Geburtstag begeht, ist er bereits 72; somit fällt er bis zur Pensionierung unters Jugendstrafrecht. „Gut erzogen zu sein”, stellte Oscar Wilde nämlich fest, „ist ein entschiedener Nachteil. Es schließt einen von so viel aus.” Allerdings sah der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) bei diesem Geburtsdatum einen großen Haken: „Wie kann ein solcher ein Geschenk verlangen, das an einem Tage zahlbar ist, der in drei Jahren gegen eins gar nicht existiert?” Da die Philosophie auch ökonomische Probleme löst, verweist Lichtenberg auf den Stand der Gestirne. Geburtstag habe man nicht, wenn der Kalender einmal rum ist, sondern wenn am Himmel wieder alles so steht wie vorher: „Wer am 29sten Februar morgens um 12 Uhr geboren ist, feiert seinen Geburtstag oder eigentlich Geburtsstunde, das nächste Jahr den 28. Februar morgens um 6, das 2te Jahr den 28. Februar mittags um 12, das 3te Jahr den 28. Febr. abends um 6, das 4te Jahr den 29. Februar um 12 des Morgens.“
Bringt Glück beim Abbiegen: Das Kleeblatt (Quelle: WvBraun)
Klar ist der 29. Februar nur ein gemogelter Schalttag. In Caesars Julianischem Kalender kam nämlich in Schaltjahren der 24. Februar einfach zweimal. Blöd, wenn man da zum Zahnarzt musste und am nächsten Tag gleich nochmal. Oder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zum Frisör. Oder zweimal vor den Traualtar und man nicht weiß, ob sich die beiden Hochzeiten gegenseitig aufheben. Deshalb erfand auch Bauingenieur Arthur Hale das Kleeblatt-Autobahnkreuz am Schalttag des Jahres 1916: Wer viermal nacheinander rechts fährt, kann direkt wieder von vorn anfangen.
Die jüngeren unter uns verbinden Erinnerungen an das Werbefernsehen ihrer Kindheit mit Dentagard-Spots und dem Bieber, der „kräftige Zähne und festes Zahnfleisch“ hatte. Weil „natürlich Putzen“ mit der tollen Zahncreme alles gut machte. Die enthielt, „als Naturkräuterextrakt in den grünen Streifen“, neben Kamille, Minze und Salbei auch Myrrhe, die man sonst nur von den Heiligen Drei Königen kannte.
Sehr ärgerlich war das ganze für das Walross, das eigentlich Platz 1 unter den Spezies mit den leidensfähigsten Gebissen verdient hätte: Diese Robben robben mit den Stoßzähnen vorwärts, weshalb sie der Lateiner auch Odobenus rosmarus nennt – von lat. odous wie der Zahn. Warum es mit den Werbespots nicht klappte, erklärt der Blick auf Tanja (unten), ohne die markanten Eckzähne, und auch sonst recht hässlich. Sozusagen als letztes deutsches Walross hauchte Tanja am 16. Februar 2007 in Hannover ihren Atem aus.
Die Hamburger Kollegin Antje hätte es ja beinahe geschafft, mit Ruhm und Nachwelt und so. Der Job des 1976 geborenen Walrosses aus dem Tierpark Hagenbeck als Maskottchen des Norddeutschen Rundfunks wurde jedoch mit der Neuentwicklung des Senderlogos im Jahr 2001 gekündigt und so konnte Antje bereits 2003 vor Kummer sterben. Natürliche Feinde hatte sie keine, nur eben den NDR-Intendanten Jobst Plog, der Antje gern als „stinkendes Fischtier“ bezeichnete.
In anspruchsvolleren Jobs konnten sich Walrösser übrigens nie durchsetzen. Als John Lennon 1967 I Am the Walrus schreib, ließ er sich inspirieren von Lewis Carrolls Gedicht vom Walross und dem Zimmermann aus Alice hinter den Spiegeln. Seine Absicht war es, einen möglichst unsinnigen Songtext zu verfassen – nachdem ihm ein Schüler der Quarry Bank Grammar School geschrieben hatte, dass man die Schüler dort Beatles-Texte analysieren lässt.
Schade um Tanja, aber vielleicht brauchen wir einfach keine Walrösser.
Krieg ist, wie Ambrose Bierce bestätigt, ein „Nebenprodukt der Friedenskünste”. Wobei die Kriegsführung keinem staatlichen Monopol unterliegt. Jeder kann wählen, ob er zum Bund geht, oder den Bund fürs Leben schließt. Ob er das Scharmützel bei fernen Krisenherden sucht oder am heimischen Herd. Wem der Zusammenhang zu konstruiert erscheint: Am 6. Februar 1875 wurde im Reichsgestz über die Beurkundung des Personenstands und die Eheschließung die Zivilehe vorgeschrieben. Genau 13 Jahre später, am 6. Februar 1888, verlängerte das Deutsche Reich die Wehrpflicht auf sieben Jahre. Je mehr Hochzeiten, umso höher also die Bereitschaft, sich im Feld erschießen zu lassen.
In Dekalb County, Georgia, hat man’s begriffen
(Quelle: Outsider80)
Die wohlwollende Interpretation wäre: Erst erobere ich ihr Herz, dann erobere ich ihr Frankreich. Die Ursache sieht Bierce woanders. Krieg komme bakanntlich wie ein Dieb in der Nacht; „Beteuerungen ewiger Freundschaft stellen die Nacht zur Verfügung.“
USD 10.000.000 (Sotheby’s-Schätzung) bis 20.000.000 US-$ (Christie’s) für eine Uhr? Die offen herumsteht, ohne Security? Forget it, guys. Eine halbe Million Menschen laufen täglich dran vorbei – im meistbesuchten Gebäude der Stadt. Die Uhr steht mitten in der New Yorker Grand Central Station. Wer den Bruch trotzdem wagen will: Der Sockel der Uhr hat eine geheime Tür, hinter der eine Wendeltreppe zu einem Infoschalter im Untergeschoss führt.
1957: Die Redstone im Weltraumbahnhof (Quelle: Hellbus)
„Es fährt kein Zug nach Eierbach”, klagt EAV in einem Lied der Achtziger; es war nicht ihr bestes. Das Stück handelt von einer Beziehung am seidenen Faden, da der Protagonist keinen Zug zu seiner Gschpusi kriegt. Deshalb spielen wohl so viele Schnulzen in New York: Von der Grand Central Station fahren Züge nach ziemlich überall, wo Schienen liegen.
Und dafür haben die Architekten Reed and Stem sowie Warren and Wetmore alles gegeben. Die 4 m hohe Uhr an der Außenfassade bildet das weltgrößte Kunstwerk aus Tiffany-Glas. Die umgebenden Statuen von Minerva, Herkules und Merkur waren bei Eröffnung des Bahnhofs die weltweit größte Skulpturengruppe. Das war am 2. Februar 1914. In den Jahren danach verdunkelte sich die Decke im Innern merklich. Nicht vom Dreck der Dieselloks, wie man lange dachte, sondern vom Zigarettenrauch der Reisenden. Bei Restauration der Decke blieb daher ein Fleck zur Mahnung schwarz: Smoking is dangerous! Übrigens auch nicht repariert wurde ein Loch, das zur vorübergehender Aufstellung einer Redstone-Rakete in die Decke gehauen wurde. Grüße aus dem kalten Krieg. Das sehen aber genauso wenige wie das geheime Gleis 61, das unterirdisch zum Waldorf Astoria führt und erstmals 1938 von General Pershing genutzt wurde.
Aber, ganz ehrlich: Auch vom größten Bahnhof der Welt gibt es keine Verbindung nach Eierbach. Gegebenenfalls also einfach zuhause bleiben.
Ein befreundeter Kölner berichtet von einem Besuch in Hamburg. Die Menschen dort seien, wenngleich keine Kölner, wenigstens sehr freundlich. Am Jungfernstieg habe er sich – mit Fragezeichen auf der Stirn – über einen Stadtplan gebeugt, berichtet Kurt. Ein hilfsbereiter Hanseante habe ihn sofort angesprochen: „Sie sind wohl nich’ von hieä?” Auf seine Antwort, er komme aus Köln, meinte der Hamburger nur „Das tut mir Leid”. Jetzt halten sich zwischen Kölner und Hamburgern wenigstens die Sprachbarrieren in überschaubarem Rahmen. Im Süden Europas werden dem grenzüberschreitenden Tourismus bereits sprachliche Knüppel zwischen die Beine geworfen: Die spanische Anweisung „NO PISAR EL CESPED” untersagt das Betreten des Rasens. Italiener hören da meist „pisciare“ heraus, was sich aufs Verrichten der Notdurft bezieht.
Im englischen Sprachraum wird es nicht leichter. Bloß weil man die Frage „Wer is ze mjusiäm, pließ?” herausbringt, versteht man noch nicht die Wegbeschreibung, die einem ungerührt mit stiff upper lip angetragen wird. Nicht jeder London-Reisende verfügt jedoch über einen hinreichenden Wortschatz, um sich nach dem Verwahrungsort der Kronjuwelen nebst Öffnungszeiten und Hotline zur Ticketreservierung zu erkundigen.
Problem: Wer in einer fremden Stadt nicht weiß, wo oben und unten ist, kann sich meist auch nicht mit den Eingeborenen darüber verständigen. Der hilflose Reisende gleicht somit einem Mann beim Arzt, dem ein 27 cm langes Messer in der Zunge steckt: „Tut mir leid,” sagt dann der Arzt, „wenn Sie mir nicht sagen, was Ihnen fehlt, kann ich Ihnen auch nicht helfen.” Pragmatisch wie sie sind, haben die Briten an einem 1. Februar gleich beide Probleme gelöst – im Jahr 1827 waren die ersten Stadtpläne Londons käuflich erwerbbar und am gleichen Tag des Jahres 1884 der erste Band des Oxford English Dictionary. Enjoy yourselves and have a pleasant stay!
Das Rettungsboot ist die Fortsetzung der Seefahrt mit anderen Mitteln. Dabei kann es mal zu wenig Boote geben (Titanic), ein andermal stolpern Kapitäne hinein (Costa Concordia). Nach Untergang des erstgenannten Schiffes jedenfalls wurde im November 1913 die SOLAS-Konvention verabschiedet; sie regelt Zahl, Größe und Ausstattung von Rettungsbooten an Bord von Seeschiffen der Handelsschifffahrt.
Die “Gustloff” 1939 (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Hans Sönnke)
Die Idee war nicht neu: Schon am 30. Januar 1790 war auf dem englischen Fluss Tyne das erste Rettungsboot getestet worden. Das Kreuzfahrtschiff Wilhelm Gustloff sank genau 155 Jahre später nach Beschuss durch das sowjetische U-Boot S-13 vor der Küste Pommerns. Das KdF-Schiff war als Kreuzfahrtschiff konzipiert, seit September 1929 aber als schwimmendes Lazarett der Kriegsmarine unterwegs. Nachdem die Rote Armee Ostpreußen im Januar 1945 vom damaligen Reichsgebiet abgeschnitten hatte, startete Großadmiral Dönitz das Unternehmen Hannibal – Evakuierung verwundeter Soldaten auf dem Seeweg, Mitnahme von Zivilisten erlaubt.
Etwa 9.000 Passagiere starben beim Untergang, der als größte Katastrophe eines einzelnen Schiffes in die Seefahrsgeschichte einging. Wenig Hoffnung auch durch die Rettungsboote: Neben 417 Besatzungsmitgliedern war die Gustloff nur für 1.463 Passagiere ausgelegt. Am 30. Januar 1945 waren bei -20° C etliche Boote an den Davits festgefroren; andere Boote hatte man in Gotenhafen von Bord gebracht, um sie bei der Vernebelung des Hafens einzusetzen. Nur 1.239 Passagiere überlebten den Untergang.
Der Industrielle Aaron Hirsch hatte bereits nach dem Untergang der Titanic einen Preis von 20.000 Mark für die Konstrultion eines Rettungsboots ausgesetzt, das „mindestens 24 Stunden lang seetüchtig“ und „binnen einer halben Minute gebrauchsfertig“ sein sollte. Der Preis wurde nie vergeben.
Schön und gut, dass der künftige US-Präsident eine Kolonie auf dem Mond errichten will. Geld genug haben die Amis ja, sagt man sich. Quatsch, viel besser: Die lunaren Baukredite werden verbrieft und mit der Wertsteigerung… Zu riskant? Reguliert wird nach Maßgabe der Mondfinanzaufsicht. Wenn da nicht der Weltraumvertrag wäre, am 27. Januar 1967 vereinbart und noch im gleichen Jahr von 98 Staaten unterzeichnet! Damit ist der Okkupation von Himmelskörpern durch einzelne Staaten ein Riegel vorgeschoben; auch die Installation von Basen auf dem Mond ist nicht mehr für jeden Privatmann drin. Viel schlimmer noch: Jeder haftet für Schäden, die sein Weltraummüll anrichtet. Einfach die Bigmäc-Schachteln aus dem Space-Shuttle-Fenster werfen kann also teuer werden.
Klingt spaßig, ist aber eine ernste Sache. Zwischen 1979 und 1988 wurden 19.037 Objekte im Weltraum liegen gelassen, von denen sich aber nur 12.000 in der Erdatmosphäre zum Recycling zurückmeldeten. Summa summarum schwirren uns mehr als 20.000 Müllteile über die Köpfe (Bild links). Das erste, das richtig Ärger machte: Ein Stück Rakete, das 1960 auf Kuba niederging und eine von Fidels Milchkühen in den Tod riss – ein „Beweis für die Aggression der USA gegen Kuba“, nannten es die Kuhbaner. Weltraumhaftung ist allerdings ein ulkiges Wort; wo doch jeder weiß, dass mit abnehmender Schwerkraft gar nichts mehr haftet. Deshalb fotografiert die NASA unseren Planten einfach ohne Um-Welt-Verschmutzung. Nach dem legendären „Blue-Marble“-Foto von 1972 hat die US-Weltraumbehörde das neue Bild (unten) in dieser Woche veröffentlicht.
Blue Marble 2012, NASA Goddard Space Flight Center